Johannisloge Freimut und Wahrheit

Freimaurerorden Köln – seit 1904

Freimaurerei

Was ist ein Freimaurer?

Freimaurerei ist kein symbolisches System, sondern ein Verhaltensmuster für eine menschliche Gesellschaft. Ihre gedankliche Basis, das maurerische Menschenbild, nimmt im europäischen Denken eine Sonderstellung ein. Alle philosophischen Systeme und Religionen grenzen sich gegenseitig ab, betonen die Gegensätze und trennen so ihre Mitwelt in Fürsprecher und Gegner. Anders das maurische Denken: es ist verbindend, integrierend.

Für den Freimaurer ist der Glaube an ein „Höchstes Wesen“ Grundlage seiner sittlichen Verantwortung. Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland, der Freimut und Wahrheit angehört, setzt das Bekenntnis zur Lehre Christi voraus. Die Lehrinhalte des Freimaurerordens haben eine explizite christliche Ausrichtung. Jedoch ist diese nicht konfessionsgebunden. Ob man Mitglied einer kirchlichen Gemeinschaft ist, spielt keine maßgebende Rolle. Es bleibt jedem Einzelnen überlassen, den Freiraum auszufüllen mit den Vorstellungen seines Bekenntnisses oder seiner philosophischen Überzeugung.

Gegenüber der modernen positivistischen Naturwissenschaft und Technik nimmt das maurerische Denken keine Entweder-Oder-Position ein. Beide sind zwar unverzichtbar, dürfen jedoch nicht wert- oder verantwortungsfrei ihre Eigendynamik entwickeln. Die Freimaurerei entwickelt die ethischen Normen, die Wissenschaft und Technik erst zu Werkzeugen des Menschen statt zu einer Gefahr für seine Menschlichkeit werden lassen. Sie versucht, das wissenschaftliche Denken und Handeln mit der humanistischen Tradition des Abendlandes wieder in Einklang zu bringen.

Mit der freiheitlichen staatlichen Gemeinschaft hat sich das freimaurerische Denken von jeher ebenso identifiziert wie es sich mit jeder Form des totalitären Anspruches als unverträglich erwiesen hat. Die Freimaurerei ist eine der historischen Wurzeln des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates und ihre Prinzipien der Toleranz und der Brüderlichkeit, die im freimaurerischen Menschenbild ihren Ausdruck finden, machen die 275 Jahre alte Freimaurerei auch in heutiger Zeit zu einer der wichtigsten modernen geistigen Bewegungen.

Das freimaurerische Menschenverständnis

Freimaurerische Begriffe lassen sich in initiatische und profane Definitionen einteilen. Begriffe, deren Bedeutung nur Freimaurern verständlich sind, heißen initiatisch, solche, die jedermann verständlich sind, nennen wir profan. Der wohl grundlegende initiatische Begriff par excellence ist „das Geheimnis“. Grundlegende profane Begriffe sind Freiheit, Toleranz, Brüderlichkeit. Von diesen sowohl profanen wie initiatischen Grundbegriffen lassen sich grundsätzlich alle weiteren, wie zum Beispiel Liebe, Güte, Wohltätigkeit, Respekt, Solidarität und Selbstveredlung ableiten. Freiheit ist eine unwiderlegbare und unauslöschliche Gegebenheit unserer Lebenserfahrung.

Wir wissen, dass wir frei sind und immer zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten eine verantwortliche Entscheidung zu treffen haben. Diese Erfahrung der Freiheit wird vor allem bei moralistischen Entscheidungen sichtbar, das heißt, bei der Entscheidung für oder gegen einen moralischen Wert. Wir mögen aufgrund theoretischer Überlegungen die Freiheit leugnen und einen Determinismus begründen, im praktischen Leben können wir nur so handeln, als ob wir frei wären. Auch im Leben einer Gesellschaft wird Freiheit immer vorausgesetzt, denn Begriffe wie Gut und Böse, Recht und Unrecht, Bestrafung und Belohnung hätten gar keinen Sinn, wenn sie nicht ihre Wurzel in der inneren Erfahrung der Freiheit hätten …

Freimaurerei – gestern, heute, morgen

Im ersten seiner insgesamt fünf Gespräche stellt der Freimaurer Falk auf die Frage seines Freundes Ernst, ob die Freimaurerei nicht etwas durchaus Entbehrliches sei, überzeugt fest:

„Die Freimaurerei war immer!“

Der Schriftsteller, Kritiker und Philosoph Gotthold Ephraim Lessing, aus dessen „Gesprächen für Freimaurer“ der obige Satz stammt, hat in seinen Schriften immer wieder versucht, das „Weltbild“ seiner Zeitgenossen richtigzustellen. Er gilt als herausragender Vertreter der Ideale der Aufklärung in ihrem Eintreten für Vernunft, Toleranz, Freiheit, Menschlichkeit, der Überwindung von Vorurteilen und Bevormundung.

In seinen 100 Thesen zur „Erziehung des Menschengeschlechtes“ hat er die Grenzen zwischen der irdischen Gegenständlichkeit auf der einen und der Transzendenz auf der anderen Seite in das Bewusstsein der Menschen im 18. Jahrhundert zu rücken versucht. Und sein dramatisches Gedicht „Nathan der Weise“ öffnet den Blick für die Irrwege eines zerstörerischen konfessionsreligiösen Dogmatismus. Viele heute von uns verehrte Geistesgrößen haben in der Zeit der Aufklärung ihren Weg zur Freimaurerei gefunden.

Wer den Bankettsaal des Logenhauses in Köln betritt, kann am umlaufenden Deckenfries die Versammlung im Olymp der Denker und Dichter lesen. Claudius, Goethe, Fichte, Herder, Heine, Klopstock – um nur ein paar Repräsentanten deutscher Zunge zu erwähnen – haben auf ihre sehr persönliche Weise dazu beigetragen, dass gesellschaftliche Strukturen allmählich verändert wurden.

Von den Gedanken einer Aufklärung begeisterte Männer strömten förmlich in die Logen der Freimaurer. Hier fand man sich über alle trennenden gesellschaftlichen Schranken hinweg zusammen, um als „bloße“ Menschen am sozialen Gerüst einer „moralischen Internationale“ zu arbeiten. Der Bruder galt innerhalb der Loge nicht mehr als Untertan, sondern als Mensch unter Menschen. Er dachte, plante und handelte in der Logenarbeit als freier Mann. Leicht können wir uns in Kenntnis damals geltender Rahmenbedingungen vorstellen, welcher Mut, welche Überzeugung und Risikobereitschaft erforderlich waren, um solchen Wertvorstellungen nachzueifern. Die Reformen in der Epoche der Aufklärung, an deren Gestaltung Freimaurer maßgebend beteiligt waren, werden heute als logische und in ihrer Zeit überfällige Auseinandersetzung mit einer reaktionären Tradition verstanden. Sie ist überwunden; demokratische und liberale Lebensformen in völliger geistiger Freiheit sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Und doch spüren wir, dass treibende Kräfte in der Lebenskultur unserer Gegenwart zu Verhältnissen geführt haben, durch die das gesamte Leben auf dem blauen Planeten fragwürdig geworden ist. Völlig andere Schwierigkeiten, in ihrer Sprengkraft aber keineswegs bedeutungsärmere Probleme, haben die Population des 21. Jahrhunderts erfasst …